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Forderung DEHOGA NRW: Vereint gegen Fachkräftemangel

Anlässlich des „Azubi-Tages“ besuchte NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer (SPD) diese Woche auch DEHOGA NRW-Präsident Bernd Niemeier in dessen Betrieb in Minden und sammelte dabei seine ersten Küchenerfahrungen in einem halbtägigen Praktikum. Später unterstrich Bernd Niemeier die Verantwortung der Branche, forderte aber auch die Unterstützung durch Politik und Kammern.

 

„Unsere Auszubildenden sind unsere Zukunft, weil sie die Fachkräfte von morgen sind. Deshalb haben wir gar keine andere Chance, als dem Problem des Fachkräftemangels mit offensiver Ausbildungsarbeit zu begegnen“, führte Bernd Niemeier ein. Die Ausbildungszahlen im nordrhein-westfälischen Gastgewerbe sind seit Jahren wie in vielen anderen Ausbildungsberufen rückläufig. Im Vergleich zu 2008 wurden Ende 2015 mit knapp 11.000 nur noch rund zwei Drittel Ausbildungsverhältnisse gemeldet.

In erster Linie sieht der NRW-Präsident dabei die Branche selbst in der Pflicht. „Wir werden unsere Arbeitszeiten natürlich nicht ändern können, genauso wenig wie Journalisten, Polizisten, Krankenschwestern oder Pflegedienste. Unsere Gäste kommen nun mal abends, am Wochenende, an Weihnachten oder Pfingsten.“ Auch am grassierenden „Akademisierungszwang“ und an den geburtenschwachen Jahrgängen sei nichts zu ändern. „Aber wir müssen und können unser Image und die Qualität unserer Ausbildung verbessern“, so Niemeier. „Hierfür Unterstützung zu geben, ist unsere Aufgabe.“

Im gleichen Atemzug nahm Niemeier auch die Kammern in die Pflicht: „Wenn wir über Qualitätsverbesserung in der Ausbildung sprechen, müssen auch die Kammern ihren Beitrag leisten.“ An Arbeitsminister Schmeltzer gerichtet formulierte Niemeier eine klare Bitte: „Helfen Sie uns, dass das duale Ausbildungssystem, das weltweit den besten Ruf genießt, in Deutschland nicht weiter diskreditiert wird. Man kann nicht nur als Akademiker glücklich werden.“ Diese Forderung stieß auf offene Ohren des Ministers, der gerade aus diesem Anlass seine „Azubi-Reise“ durch NRW angetreten hatte: „Ich möchte für die duale Ausbildung im Allgemeinen werben und besonders für unter- oder falsch eingeschätzte Ausbildungsberufe wie den des Kochs und gleichzeitig mit Klischees aufräumen. Wer immer noch glaubt, dass in Küchen nur herumgeschrien wird, liegt mit Sicherheit falsch“, so der Minister. „Klare Anweisungen ja – Hektik und ungesunder Stress nein.“ Sein Fazit nach dreistündigem Training on the Job an das Anforderungsprofil eines angehenden Kochs: Handwerkliches Geschick, Liebe zum Detail und Kreativität, präzises und wenn notwendig zügiges Arbeiten.

Präsident Niemeier verwies im Zusammenhang mit Maßnahmen zur Ausbildungsförderung, die seitens des Hotel- und Gaststättenverbandes schon ergriffen worden sind, unter anderem auf die in den letzten Jahren deutlich gestiegenen Ausbildungsvergütungen, die heute im Schnitt bei 800 Euro liegen, wie auf die Installation von Ausbildungsbotschaftern, die über ganz NRW verteilt, Ansprechpartner, Repräsentanten und Mittler zwischen allen Ausbildungsbeteiligten sind. Ein besonderes Augenmerk legte Niemeier auf die Initiative: Ausbildung mit Qualität (www.ausbildung-mit-qualitaet.de). Kern des Programms, an dem sich mehrere DEHOGA Landesverbände beteiligen, ist die regelmäßige Bewertung von Ausbildungsleitsätzen und deren Einhaltung durch anonyme Befragungen der Auszubildenden. „Wir müssen lernen, dass unsere Angebote, unsere Ansprachen an die jungen Menschen, die wir für unsere Berufe begeistern möchten, nicht mehr die gleichen sein können wie vor 20 Jahren“, so der NRW-Präsident.

Begeistern muss man Tineke Tebbe nicht mehr. Die Kochazubine im ersten Lehrjahr im Holiday Inn Minden, die Minister Schmeltzer über einen halben Tag bei der Produktion von Canapés, beim Schneiden von Gemüse Julienne als Einlage einer Consommé und dem Fertigen einer Mousse au chocolat anleitete, entschied sich ganz bewusst nach dem Abitur für den Kochberuf: "Ich wollte einen Job, der mir jetzt Spaß macht, das auch in fünf Jahren tut und der mir keine Entwicklungsgrenzen setzt. Und den habe ich hier gefunden."


Thorsten Hellwig
Pressesprecher NRW
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