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Offenbleibeperspektive: Gastronomen und Beschäftigte brauchen Planungssicherheit

Herbst: "Wir wissen, dass viele unserer Mitarbeiter zu uns zurückkehren möchten, weil sie genauso "Überzeugungstäter" sind wie wir selbst. Aber alle brauchen eine Perspektive.“

Gastronomie und Hotellerie in Nordrhein-Westfalen sind wieder geöffnet. Zunehmend nicht nur außen, sondern auch in den Innenbereichen. Mit weiteren Öffnungsschritten braucht die Branche aber auch mehr Beschäftigte für Restaurants, Hotels, Kneipen, Cafés und Biergärten. Viele Beschäftigte haben coronabedingt das Gastgewerbe verlassen, die fehlende Planungssicherheit erschwert häufig eine Rückkehr. Der DEHOGA fordert nach den schrittweisen Öffnungen mehr denn je auch eine "Offenbleibeperspektive" für die Branche.

 

Die Corona-Pandemie hat nicht nur in den Bilanzen von Gastronomie und Hotellerie verheerende Spuren hinterlassen, sondern auch im Bereich der Beschäftigung. Je mehr die Inzidenzen fallen und damit mehr Öffnungen in der Branche möglich werden, desto deutlicher tritt das Problem zu Tage, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fehlen. "Wir haben, vor allen Dingen während der beiden Lockdowns, die uns immer mit voller Wucht getroffen haben, viele Beschäftigte verloren. Unsichere Perspektiven für die Branche und politische Entscheidungen haben viele dazu gebracht, Hotels und Restaurants den Rücken zuzukehren", bedauert Haakon Herbst, Regionalpräsident im DEHOGA Nordrhein-Westfalen. Eine aktuelle DEHOGA-Umfrage von Anfang Juni, an der sich aus NRW 639 Gastronomen und Hoteliers beteiligten, bestätigt, dass Beschäftigte coronabedingt bei 56,5% der teilnehmenden Unternehmerinnen und Unternehmer gekündigt hatten - vorwiegend um in anderen Branchen (45,4%) zu arbeiten. Der großen wirtschaftlichen Not während der Pandemie geschuldet mussten sich zudem 27,1% der befragten Unternehmer selbst von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern trennen. Vergleicht man die Beschäftigten-Zahlen Juni 2019 und Juni 2020 ist der Rückgang deutlich: Im Juni 2020 waren mehr als 55.000 weniger Menschen im Gastgewerbe beschäftigt als noch im Juni 2019 (ca. 415.000 zu 358.000). Der Hotel- und Gaststättenverband geht davon aus, dass nach der kurzzeitigen Erholung im Sommer letzten Jahres mit dem zweiten Lockdown Anfang November die Beschäftigtenzahlen wieder gefallen sind. 

Aus Sicht des DEHOGA muss die Politik Rahmenbedingungen festsetzen, dass die jetzt erfolgenden Öffnungen dauerhaft sind. "Wir wissen, dass viele unserer Mitarbeiter zu uns ins Gastgewerbe zurückkehren möchten, weil sie genauso "Überzeugungstäter" sind wie Gastronomen und Hoteliers selbst. Allerdings brauchen sie wie unsere Unternehmer die Sicherheit, ihrer Arbeit auch bei höheren Inzidenzen weiterhin nachgehen zu dürfen. Unsere Existenz darf nicht mehr nur von Inzidenzen abhängig sein. Die Politik muss sich besser vorbereiten, damit es nicht mehr zu Schließungen kommt", fordert Herbst und verweist auf die funktionierenden Schutz- und Hygienekonzepte der Branche.

Wegen der trotz Öffnungen schwierigen wirtschaftlichen Situation insgesamt benötigen Gastronomie und Hotellerie weiterhin wirksame staatliche Unterstützung in Form von direkten Finanzhilfen in der Phase des Restarts und langfristig wirtschaftsfördernde Rahmenbedingungen. Dazu gehören auch faire Steuern wie ein dauerhaft reduzierter Mehrwertsteuersatz für Speisen und Getränke, weniger Bürokratie oder eine Offensive für Ausbildung.

Parallel dazu betont Herbst die eigenen Anstrengungen der Branche, dem Fach- und Arbeitskräftemangel die Stirn zu bieten: "Wir haben spannende, kreative und abwechslungsreiche Jobs zu bieten. Wir wissen aber auch, dass das Gesamtpaket für künftige Mitarbeiter stimmen muss, um im Wettbewerb um gute Hände und Köpfe bestehen zu können."

Das Gastgewerbe war in den letzten Jahren einer der wichtigsten Job- und Integrationsmotoren der nordrhein-westfälischen Wirtschaft. Zwischen 2009 und 2019 stiegen die Beschäftigtenzahlen in Gastronomie und Hotellerie um rund 100.000 von 300.000 auf über 400.000 Beschäftigte. Vom Beschäftigtenboom im Gastgewerbe vor Corona profitierten sowohl Voll- und Teilzeitkräfte, aber auch Aushilfen.

 

 


Thorsten Hellwig
Pressesprecher NRW
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